Die Pferdenieren im Fokus
Aufgaben, Erkrankungen und Blutwerte der Pferdenieren sowie Möglichkeiten zur unterstützenden Kräuterfütterung
Die Nieren erfüllen im Körper des Pferdes mehrere zentrale und lebenswichtige Aufgaben und spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des Pferdes. Sie übernehmen die Filtration des Blutes und sorgen für die Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe. Gleichzeitig tragen die Niere des Pferdes zur Konservierung von Substanzen bei, indem sie Proteine zurückhalten und Elektrolyte resorbieren. Dadurch regeln sie sowohl den Abtransport von Stoffwechselprodukten als auch den Erhalt wichtiger Nährstoffe.
Aufbau und Versorgung der Pferdeniere
Die Nieren sind paarig angelegte Bauchhöhlenorgane. Jede Niere erhält ihr Blut über die Arteria renalis. Diese dient nicht nur der Versorgung der Nieren, sondern befördert auch das zu filtrierende Blut. Die Niere selbst besteht aus der äußeren Nierenrinde und dem inneren Nierenmark. Beide werden durchzogen von kleineren funktionellen Einheiten, die für die Filtration des Blutes und Resorption von Nährstoffen zuständig sind. Über Nierenkanälchen gelangt der Harn dann ins Nierenbecken und über die Harnleiter in die Harnblase.

Harnpflichtige Substanzen und ihre Bedeutung
Harnpflichtige Substanzen sind Stoffwechselprodukte, die im Körper anfallen, nicht weiter abgebaut werden können und über die Nieren ausgeschieden werden. Durch die Blutbahn gelangen diese Stoffe zur Niere, deren hohe Durchblutung eine entsprechend hohe Filtrationsrate ermöglicht. Bei einer Schädigung der Niere ist die Ausscheidungsfunktion eingeschränkt. Eine Regeneration des Gewebes, wie sie in der Leber vorkommt, ist hier nicht möglich. Kann die Niere ihre Aufgaben nicht mehr vollständig erfüllen, spricht man von einer Niereninsuffizienz. Hier muss noch zwischen einer akuten und einer chronischen Form unterschieden werden.
Niereninsuffizienz beim Pferd
Eine akute Niereninsuffizienz kann durch schwere Blutverluste und den damit verbundenen Schock, der zu einer Minderdurchblutung der Nieren führt, entstehen. Auch Kolikzustände können eine akute Insuffizienz verursachen. Bei rechtzeitiger Behandlung ist diese Form oft reversibel. Auch medikamentöse Einflüsse, insbesondere durch Antibiotika oder entzündungshemmende Medikamente, können zu einer Schädigung der Filtrationseinheiten der Niere führen. Diese Schäden führen in der Folge häufig zu einem chronischen Verlust der Nierenfunktion.
Die Symptome einer chronischen Erkrankung zeigen sich meist erst spät und können sich durch ein reduziertes Allgemeinbefinden, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust äußern. Zudem können eine vermehrte Wasseraufnahme sowie das häufige Absetzen von Urin als Hinweis dienen.
Blutwerte zur Beurteilung der Nierenfunktion und Nierengesundheit
Im Zusammenhang mit der Beurteilung der Nierenfunktion des Pferdes spielen verschiedene Blutwerte eine wichtige Rolle. Neben dem Urinbefund werden bestimmte Blutparameter herangezogen, um die Funktionsfähigkeit der Nieren zu überprüfen. Einige der gängigen Blutwerte sollen hier näher beschrieben werden.
Harnstoff ist das Endprodukt des Proteinstoffwechsels. Es wird überwiegend in der Leber produziert und anschließend über die Niere ausgeschieden. Ein Anstieg des Harnstoffs kann auf eine verminderte Ausscheidungsleistung der Niere hindeuten, ist jedoch nicht spezifisch, da auch Leberfunktion, Ernährung und Dehydratation Einfluss nehmen können.
Kreatinin ist ein weiterer wichtiger Marker, welcher zur Beurteilung der Filtrationsfähigkeit der Nieren dient. Eine Erhöhung des Kreatinins deutet auf eine verminderte Filtration hin. Kreatinin ist jedoch kein zuverlässiger Frühmarker, da in der Regel erst ein signifikanter Funktionsverlust von etwa 75 Prozent der filtrierenden Einheiten zu einem Anstieg führt. In der Praxis wird Kreatinin daher oft zusammen mit weiteren Parametern bewertet.

Ein weiterer Wert, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist SDMA. Symmetric Dimethylarginine (SDMA) kann vor allem als Frühmarker für die Überprüfung der Nierenfunktion relevant sein. Erhöhte SDMA-Werte können bereits bei leicht verminderter Filtrationsfähigkeit ansteigen und treten oft früher als Kreatinin auf. Erhöhte SDMA-Werte deuten dadurch eher auf eine beginnende oder fortschreitende Nierenproblematik hin.
Können Kräuter die Nierenfunktion unterstützen?
Phytotherapeutisch macht vor allem der präventive Einsatz von Kräutern Sinn. Hierbei können Kräuter verwendet werden, durch welche eine vermehrte Durchblutung der Nieren erreicht werden soll und die zu einem vermehrten Durchspülen beitragen können. Hierzu zählt beispielsweise Brennnessel.
Brennnessel wird traditionell als harntreibendes Kraut zur Durchspültherapie der ableitenden Harnwege eingesetzt. So kommt es auch bei der Behandlung und Prävention von Harngrieß zum Einsatz.
Weiter werden auch Birkenblätter und Löwenzahn gerne in Kombination mit Brennnessel eingesetzt, weil sie den Effekt noch verstärken sollen. Genau wie auch bei der Brennnessel werden Birkenblätter dafür eingesetzt die Durchspülung der ableitenden Harnwege zu verbessern.
Nierengesundheit mit Kräutern unterstützen - aber immer verantwortungsvoll
Abschließend lässt sich sagen, dass manche Kräuter dazu beitragen können die natürliche Funktion der harnbildenden Organe zu unterstützen. Wichtig ist dabei immer auf eine geprüfte Qualität zu achten und vor einer Fütterung Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt zu halten. Liegen bereits Erkrankungen der Niere zu Grunde, muss eine Kräuterfütterung immer erst mit dem Tierarzt besprochen und eine Wechselwirkung mit Medikamenten abgewogen werden.
Tierärztin Dr. med. vet. Elena Feltl
Dezember 2025, ©Bergsiegel Produktions- und Handels GmbH
Quellen:
- Breves G, Diener M, Gäbel G.: Physiologie der Haustiere. Hrsg. 6., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
- Gehlen H.: Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd – Vom Leitsymptom zur Diagnose. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017
- Möller, Svenja; Hüfler, Dirk.: Wissen kompakt. team.konkret 2020
- Brendieck-Worm C, Melzig M.: Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.

