Die Leber und ihre Funktion im Organismus


Ein kleiner Exkurs in die Funktionsweise der Leber

Wenn man an die wichtigsten Organe des Körpers denkt, spielt die Leber oft keine große Rolle. Dabei steuert sie mehr lebenswichtige Prozesse, als man vermuten würde. Sie ist das Hauptstoffwechselorgan im Körper und spielt somit eine zentrale Rolle für die Pferdegesundheit. Aus dem Darm resorbierte Nährstoffe, Mengen- und Spurenelemente, Vitamine aber auch pharmakologische Wirkstoffe, gelangen über die Pfortader in die Leber. Dadurch hat die Leber eine wichtige Funktion für die weiteren Stoffwechselwege.


Anteile der resorbierten Nährstoffe werden zu einem gewissen Teil in der Leber gespeichert. Aber auch die Synthese von Nährstoffen wie beispielsweise Glucose erfolgt in der Leber, wodurch die Leber auch einen wichtigen Beitrag zum Energiestoffwechsel leistet.

Darstellung geschlossenes Auge vom Pferd und eine Menschenhand

Durch die Produktion der Galle nimmt die Leber auch im Bereich des Fettverdaus eine wichtige Rolle ein. Die in der Galle enthaltenen Gallensäuren wirken wie Emulgatoren für die im Speisebrei befindlichen Fette. Auf diese Weise können die kleineren Fettbestandteile die Darmwand besser passieren und gelangen von dort aus in die Pfortader. Die häufige Annahme, dass Pferde keinen Gallensaft produzieren und somit nicht zum Fettverdau fähig sind, ist nicht korrekt. Anders als bei anderen Tierarten oder auch dem Menschen, wird diese Galle jedoch nicht in einer Gallenblase gespeichert, sondern kontinuierlich in den Dünndarm freigesetzt. 

Leberwerte - welche Aussage lassen sie zu?


Um die Funktion der Leber zu überprüfen, liefert das Blutbild, neben einer gründlichen Allgemeinuntersuchung und Anamnese, wichtige Hinweise. Im Folgenden werden einige Parameter näher vorgestellt, die Symptome einer Leberproblematik beim Pferd aufzeigen können.


Zu den Leberfunktionsparametern zählen zum einen die Gallensäuren. Die Gallensäuren stellen einen sehr empfindlichen Frühmarker für funktionelle Leberprobleme dar. Dies gilt v.a. für chronische Prozesse. Zudem handelt es sich um einen, für die Leber, sehr spezifischen Parameter. Wird eine Lebererkrankung beim Pferd vermutet, sollte daher auch die Bestimmung der Gallensäuren nicht fehlen.


Ein weiterer, häufig untersuchter Parameter ist GLDH. Dieses Enzym wird beim Untergang von Leberzellen freigesetzt und kann somit auch Aufschluss über akute Leberzellschädigung geben. Allerdings ist es nur eine verhältnismäßig kurze Zeit im Blut nachweisbar.

Neben GLDH ist auch γ-GT ein häufig untersuchter Bestandteil des Blutbilds. Es bleibt deutlich länger im Blut erhalten als GLDH, ist aber auch weniger spezifisch, da es auch in anderen Organen wie der Bauchspeicheldrüse anzutreffen ist. γ-GT liefert, anders als GLDH, jedoch spezifischere Hinweise auf eventuell bestehende Gallengangsproblematiken.


Zuletzt soll auch Albumin nicht unerwähnt bleiben. Albumin wird in der Leber synthetisiert und kann somit bei einem Funktionsverlust der Leber oder auch bei erheblichen Entzündungen erniedrigt sein.


Phytotherapie – natürliche Unterstützung der Pferdeleber?


Es gibt eine ganze Reihe von Kräutern, die traditionell zur Unterstützung der Pferdeleber eingesetzt werden. An erster Stelle steht die Mariendistel. Bereits in der Antike wurde die Mariendistel und ihre positiven Eigenschaften erwähnt. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen zählt v.a. Silymarin. Ihm wird eine hepatoprotektive, also leberschützende, Eigenschaft nachgesagt. Mariendistel findet daher traditionell seine Anwendung in der Unterstützung von Lebererkrankungen.


Eine weitere Pflanze ist der allseits bekannte Löwenzahn. Ihm werden v.a. appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Traditionell wird der Löwenzahn auch zur Anregung des Gallenflusses und als Durchspültherapie eingesetzt.


Zuletzt soll auch die Artischocke nicht unerwähnt bleiben, die mit ihren enthaltenen Bitterstoffen eine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung haben soll. Außerdem wird der Artischocke auch eine leberschützende Wirkung zugeschrieben, wodurch sie häufig Verwendung in Kräutermischungen findet, die die Leberfunktion unterstützen sollen.


Hochwertige Kräuter können also einen sinnvollen Beitrag zur Unterstützung der Pferdegesundheit leisten. Wichtig ist allerdings, dass dies immer in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgt. Auch die Qualität der Kräuter spielen eine große Rolle. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um zu gewährleisten, dass die Kräuter nicht mit Pestiziden oder Schwermetallen belastet sind.


Zu guter Letzt lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Leber eine wichtige Funktion im Körper einnimmt und ihre Gesunderhaltung von großer Bedeutung ist. Die Vermeidung von Toxinen in Futter und Tränkewasser sowie eine entsprechende Parasitenprophylaxe sind hier erste Maßnahmen, die man auch als Halter ergreifen kann. Eine tierärztliche Abklärung kann zudem helfen eine bestehende Leberproblematik entsprechend zu unterstützen und auch die Fütterung ggf. anzupassen.

 


Tierärztin Dr. med. vet. Elena Feltl

Dezember 2025 ©Bergsiegel Produktions- und Handels GmbH



Quellen:

  • Breves G, Diener M, Gäbel G,.: Physiologie der Haustiere, Hrsg. 6. Vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.
  • Möller, Svenja; Gentil, Michaela: Pferdespiegel 2025; 28(03): 160 - 165
  • Brendieck-Worm C, Melzig M: Phytotherapie in der Tiermedizin., Hrsg. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021. doi:10.1055/b000000502