Empfindlicher Pferdemagen


Magenempfindliche Pferde mit Kräutern auf natürliche Weise unterstützen 

Ein empfindlicher Magen ist bei Pferden keine Seltenheit – viele Tierhalter kennen Probleme wie Fressunlust, Koliken oder Unruhe. Häufig steckt eine Reizung der Magenschleimhaut oder sogar ein Magengeschwür (EGUS = Equine Gastric Ulcer Syndrome) dahinter. Dieser Artikel erklärt Ursachen, Symptome und zeigt, wie Pferde natürlich unterstützt werden können. 

Darstellung liegendes Pferd

Wie verbreitet Magengeschwüre bei Pferden sind, zeigen zahlreiche Studien sehr deutlich. Das Auftreten von Magengeschwüren bei Pferden unterscheidet sich jedoch je nach Nutzung: 


  • Rennpferde: 44–80 % 
  • Distanzpferde: 48–93 % 
  • Vollblutzuchtstuten: rund 70 % 
  • Showpferde: etwa 58 % 
  • Reitpferde: 11–53 % 

Auch Fohlen entwickeln oft Magengeschwüre – bei Neugeborenen rund 88 %, bei Absetzfohlen etwa 30–50 %.  


Aufbau des Pferdemagens und seine Besonderheiten 

Der Pferdemagen ist einhöhlig, hat ein Volumen von ca. 15-20 Liter und lässt sich in drei gleich große Abschnitte gliedern. Er ist auf die kontinuierliche Aufnahme kleiner Futtermengen eingestellt. 


Das obere Drittel – Pars non-glandularis 

Das obere Drittel liegt am Mageneingang ist mit drüsenfreier Schleimhaut bedeckt (= Pars non-glandularis). In diesem Bereich liegt der pH-Wert des Magens zwischen 5 und 7. Der pH-Wert reicht von 0 (stark sauer) bis 14 (stark basisch oder alkalisch). Ein pH von 7,0 in der Mitte dieser Skala, ist der neutrale Wert.   

Der sogenannte Margo plicatus bildet den Übergang zur Drüsenschleimhaut. 


Das mittlere und untere Drittel – Pars glandularis 

Die drüsenhaltige Schleimhaut kleidet die übrigen zwei Drittel des Magens aus (= Pars glandularis). Diese Pars glandularis wird wiederum in zwei Teile unterteilt: 

  • den mittleren Anteil (Fundus) 
  • Antrum pyloricum (Bereich vor dem Magenausgang) 


Hier wird die Magensäure und andere Verdauungsenzyme gebildet. Die drüsenhaltige Schleimhaut hat viele schützende Mechanismen, die aus einer Bikarbonat-reichen Schleimschicht, einem ausgeprägten kapillaren Netzwerk, Prostaglandinen, sowie einer schnellen Regenerationsfähigkeit bestehen. 

In der Pars glandularis liegt der pH-Wert bei 4-5, im Bereich der Pylorusregion zwischen 2 und 4. Der pH-Wert im Pferdemagen unterliegt jedoch grundsätzlich fütterungsbedingten Schwankungen von 2 bei fastenden Pferden bis zu 6 bei gerade gefütterten Pferden. 

 
Der Futterbrei im Pferdemagen weist eine dreischichtige Struktur auf: 

  1. unten: flüssige Bestandteile 
  2. mittig: grobe Futterbestandteile 
  3. oben: Gasschicht 

Die grobe Zwischenschicht wird nur wenig von der Magensäure durchsetzt, sodass der pH-Wert in den oberen Bereichen dieser Schicht deutlich weniger sauer bleibt. Dadurch bestehen im Pferdemagen unterschiedliche pH-Zonen, je nach Schicht des Mageninhaltes. Erst in der Nähe des Magenausganges wird der Futterbrei durch die Kontraktionsbewegungen des Magens richtig mit der Magensäure durchmischt. 


Der während dem Kauvorgang produzierte Speichel hat verschiedene Eigenschaften: 

  • Er erleichtert die Passage des Futters durch den Verdauungstrakt 
  • Im Magen begünstigt er durch die Durchsaftung des Futterbreies die Verdauung 
  • Er enthält größere Mengen an Mineralstoffen und Bikarbonat, die zur Neutralisierung von Säuren im Anfangsteil des Magens dienen 

 

Mögliche Ursachen für Magengeschwüre beim Pferd 

Die kontinuierliche Sekretion von Magensäure scheint beim Pferd die Hauptursache für Magengeschwüre zu sein. Diese ist unabhängig von der Futteraufnahme. Der Pferdemagen kommt aus dem Gleichgewicht, wenn die Bildung von Magensäure und die Schutzmechanismen der Magenschleimhaut nicht mehr miteinander im Einklang stehen. Je nach Lokalisation des Geschwürs können unterschiedliche begünstigende Faktoren eine Rolle spielen. 

Magengeschwüre im Bereich der Pars non-glandularis, also in der drüsenfreien Schleimhaut, werden ESGD (Equine Sqamous Gastric Disease) genannt. Begünstigende Faktoren für ESGD sind Stress sowie zu lange Futterpausen. 

Treten die Geschwüre im Bereich der Pars glandularis auf, werden sie als EGGD (Equine Glandular Gastric Disease) definiert. Als Ursachen hierfür werden Beeinträchtigungen der Schutzmechanismen im Magen gesehen. Hierzu werden beispielsweise Beeinträchtigungen der Durchblutung, der Bikarbonatschicht, des Schleimes und der Produktion von magenschützenden Prostaglandinen gezählt.  Die Gabe mancher Medikamente kann die Entstehung von Magenschleimhautveränderungen in diesem Bereich begünstigen. 

 

Zu den Risikofaktoren, als Pferd an Magengeschwüren zu erkranken, gehören: 

  • Schleimhautschäden (mechanisch durch grobe Futterbestandteile und Parasiten, Medikamente, chemisch durch Inhaltsstoffe des Futters, Infektionen etc.) 
  • Mangeldurchblutung der Schleimhäute z.B. durch Medikamente 
  • Dauerhafte Verabreichung von Pflanzen, die reizend auf die Magenschleimhaut wirken kann 
  • Stress 
  • Zu lange Futterpausen 
  • Hohe Stärkeaufnahme 
  • Fehlende oder ungenügende Wasseraufnahme 

 

Welche Symptome zeigen Pferde mit einem empfindlichen Magen? 

  • Reduziertes Allgemeinbefinden 
  • Fressunlust 
  • Schlechter Ernährungszustand 
  • Zähneknirschen 
  • Flehmen 
  • Gähnen 
  • Leerkauen 
  • Rezidivierende Koliken 


Magengeschwüre können aber auch klinisch unauffällig bleiben. Da die Symptome häufig unspezifisch sind und diese nicht unbedingt mit dem Schweregrad der Erkrankung korrelieren, werden Erkrankungen des Magens oft spät festgestellt. 

Liegt ein Hinweis vor, dass das Pferd unter Magengeschwüren leidet, so lässt sich diese mit Hilfe einer Gastroskopie diagnostizieren. Mittels eines Scoring-Systems kann dann der jeweilige Schweregrad der Magenveränderung bewertet werden. Dies ist sowohl für die Prognose als auch zur Kontrolle des Behandlungserfolgs wichtig. 

 

Was kann man bei Magenproblemen des Pferdes tun? 

Neben der konventionellen Therapie mit beispielsweise Protonenpumpenblocker (hemmt die Säureproduktion), Antazida (neutralisieren die Magensäure) oder dem Prostaglandin E1-Analogon Misoprostol spielt die Optimierung zu einer magenfreundlichen Fütterung und stressarmen Haltung des Pferdes eine entscheidende Rolle. 

 

Welche Fütterung empfiehlt sich bei einem empfindlichem Pferdemagen? 

Wichtig für den Pferdemagen ist eine möglichst natürliche und magenfreundliche Fütterung. Das bedeutet, dass ausreichend Raufutter (mind. 1,7 kg /100 kg Körpergewicht pro Tag) gefüttert werden soll, da Pferde auf eine kontinuierliche Aufnahme von rohfaserreichem Futter angewiesen sind. Während der Futteraufnahme wird Speichel produziert, der eine puffernde Wirkung auf die Magensäure hat und somit hilft, den empfindlichen Säure-Basenhaushalt des Pferdemagens zu stabilisieren. Auch täglicher Weidegang kann eine gute Möglichkeit sein die kontinuierliche Raufutteraufnahme zu verbessern. Denn lange Futterpausen über 6 Stunden sollten möglichst vermieden werden. Haben Pferde freie Wahlmöglichkeiten, unterbrechen sie ihre Futteraufnahme in der Regel nicht länger als etwa vier Stunden. Da Stress ein wichtiger Faktor bei Pferden hinsichtlich der Magengesundheit darstellt, sollte dem möglichem sozialen Stress in der Herde Beachtung geschenkt werden. 

Kraftfutter sollte, wenn überhaupt, nicht mehr als 1 g/kg Körpergewicht pro Mahlzeit bzw. 2 g/kg Körpergewicht pro Tag gegeben werden. Stattdessen kann man auf fettreiche Ergänzungsfuttermittel oder Pflanzenöl als Energieträger zurückgreifen. 

Auch die Reihenfolge, in der Futterkomponenten gefüttert werden, ist entscheidend. Ausreichend Heu sollte immer vor dem Kraftfuttergabe gefüttert werden. Dies dient der Durchmischung der Futterkomponenten und wirkt zudem einer zu schnellen Passage des Kraftfutters durch den Verdauungstraktes entgegen. Durch die Fütterung von Heu wird zudem deutlich mehr Speichel im Vergleich bei Kraftfutter produziert, welcher auch zur Pufferung der Magensäure dient. 

 

Welche traditionell eingesetzte Magenkräuter eignen sich zu Unterstützung bei Magengeschwüren? 

Kräuter werden gerne unterstützend eingesetzt, um den Pferdemagen zu beruhigen. Hier haben wir für Euch einige Magenkräuter für Pferde aufgelistet. 


Süßholzwurzel: 

  • Wirkt schleimhautschützend bei Magengeschwüren und kann die Schleimsekretion im Magen erhöhen 
  • Wird eine antiulzerogene und entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt 


Eibisch: 

  • Enthält Schleimstoffe 
  • Wirkt reizmildernd auf die Magenschleimhaut 


Leinsamen: 

  • Reizmildernd bei Magenschleimhautentzündung 
  • Schleimhautschutz: hier Leinsamen mit Wasser quellen lassen 
  • schwach abführend 
  • entzündungshemmend 


Bockshornkleesamen: 

  • Bockshornkleesamen wird eine appetitanregende Wirkung nachgesagt, weswegen sie bei Fressunlust eingesetzt werden können 
  • Enthält viele Schleimstoffe, wodurch es die Magenschleimhaut schützen kann 
  • Blähungen und Gasansammlungen können gelindert werden 
  • Wird eine antiulzerogene und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt 


Malve: 

  • Hoher Schleimgehalt 
  • Wird eine schleimhautschützende und reizmindernde sowie entzündungshemmende Wirkung nachgesagt 


Melisse: 

  • Wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt 
  • Kann bei Stress und Unruhe helfen 
  • Entspannend und entkrampfend 


Tierärztin Dr.med. vet. Katharina Martin

Dezember 2025 ©Bergsiegel Produktions- und Handels GmbH



 Quellen: 

  • Hopster-Iversen C. Magengeschwüre beim Pferd – Ein Update. Pferdespiegel 2015 
  • Röben L. M., Haucke K., Hebel E.-M., Vervuert I. Vergleich verschiedener Medikationsprotokolle bei Pferden mit Equine Glandular Gastric Disease (EGGD) – eine retrospektive Studie. Pferdeheilkunde – Equine Medicine 38 (2022) 
  • Brendieck-Worm C., Melzig M.F. Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage 2021 Georg Thieme Verlag KG 
  • Coenen M., Vervuert I., Hrsg. Pferdefütterung. 6., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020 
  • May A., Venner M., Cavicchioli E., Gehlen H., Magenerkrankungen des Pferdes – Diagnostik und Therapie. Pferdeheilkunde 28, 2012 
  • Baumgartner M., Boisson T., Erhard M., Zeitler-Feicht M. Common Feeding Practices Pose A Risk to the Welfare of Horses When Kept on Non-Edible Bedding. Animals (Basel). 2020