Warum eigentlich Heilkräuter für Tiere?

Die Kräuterheilkunde (Phytotherapie) gehört zu den ältesten aller Therapiemethoden und zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass sie relativ gut verträglich und nebenwirkungsarm ist. Sie wird von allen Völkern und auch intuitiv von Tieren angewandt. Wildlebende Tiere kennen die Apotheke der Natur sehr genau und fressen bei bestimmten Erkrankungen ganz bestimmte Gräser, Blätter, Rinden oder Wurzeln. Hunde fressen Gras, um den Speichelfluss oder die Verdauung zu fördern oder um zu erbrechen. Pferde kauen z.B. bei Verdauungsstörungen auf bestimmten Pflanzen herum, die sie sonst nicht fressen. Wildlebende Fleischfresser fressen ihre erlegten Beutetiere komplett also mit Haut und Haar, mit Knochen und Innereien und eben auch mit Magen-Darminhalt. Da es sich bei den erlegten Beutetieren um Pflanzenfresser handelt, nehmen Fleischfresser so immer auch pflanzliche Bestandteile auf. Pferde sind perfekte Kräutersammler und wissen von Natur aus, was ihnen gut tut. Unsere Pferdeweiden sind aber meist eher auf den Bedarf von Rindern abgestellte Grasmonokulturen. Viele Pferde werden sogar nur in Boxen oder auf Ausläufen ohne Weidegang gehalten. Folglich können sich die Tiere nicht mehr in einer intakten Natur bewegen, wo sie sich die benötigten Kräuter selber besorgen können. Auch unsere Hunde erjagen sich ihre Nahrung in der Regel nicht mehr selber, sondern erhalten ihr Fertigfutter vorgesetzt. Bei unseren Haus- und Nutztieren ist also der Mensch als "Therapeut" gefragt.

Die Pflanzenheilkunde ist ein wichtiger Bestandteil aller traditionellen medizinischen Systeme. Nicht zuletzt entstammen viele Arzneimittel der so genannten westlichen Schulmedizin ursprünglich der Pflanzenheilkunde.

Es waren vor allem volksheilkundliche Heiler, Bauern und Hirten, die ihre Erfahrungen über die Wirkung von in der Umgebung wachsenden Wildkräutern auch erkrankten Tieren zu Gute kommen ließen.

Eine regelrechte Tiermedizin entstand jedoch erst, als militärische Erfolge von gesunden Pferden abhingen. Die alten "Stallmeister" legten ihre Kenntnisse schriftlich nieder und begründeten so die moderne Tiermedizin. In diesen frühen Schriften hatten Heilpflanzen einen großen Stellenwert. Die ersten tiermedizinischen Werke stammen aus dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus.

Durch die zunehmende Haltung von Hobbytieren erfährt die Phytotherapie zunehmend wieder an Wertschätzung. Auch bei der Verwendung von qualitativ hochwertigen Futtermitteln, die eine ausgewogene Ernährung der Tiere gewährleisten, fehlt dem Tier die Möglichkeit auf gesundheitliche Abweichungen durch die gezielte Aufnahme von Kräutern zu reagieren. Die Zufütterung von Heilkräutern stellt also eine naturnahe Möglichkeit der Gesunderhaltung unserer Haustiere dar. Sie sind übrigens auch eine sinnvolle Ergänzung der BARF-Fütterung eines Hundes.

Britta Klostermeier - Tierheilpraktikerin